Henry VIII: Der König und sein Gewissen (Sabine Appel)

Sonntag, November 25, 2012

 
 
Heinrich VIII. mit seinen sechs Frauen, von denen er zwei aufs Schafott brachte, wird gern als Wüstling und blutrünstiger Gewaltherrscher porträtiert. Sabine Appel betrachtet ihn in ihrer Biographie in ungewohnterem Licht: als humanistisch gebildeten, vielfach talentierten, theologisch versierten und religiösen Mann, dessen Gewissensnöte, oftmals Zeichen eines erstaunlichen Selbstbetrugs, indessen zu weitreichenden Umstürzen mit beträchtlichen Kollateralschäden führten. Die charismatische, aber auch verhängnisvolle Figur dieses Monarchen wird vor dem Hintergrund seiner Zeit und der speziellen Geschichte der Tudor-Dynastie gezeichnet, deren größtes Problem der Selbsterhalt und die Nachfolge war. Die Lebenserzählung ist intensiv mit der Geistesgeschichte verwoben. Werk und Entwicklung von Thomas More, Erasmus oder dem frühen Luther kommen ebenso zur Sprache wie Heinrichs eigene theologische Ambitionen und Beiträge.

Autorenbeschreibung
Sabine Appel ist freie Autorin und schrieb unter anderem narrative Biografien von Madame de Stael und Arthur Schopenhauer. Sie studierte Germanistik und Philosophie und promovierte mit einer Arbeit über Thomas Mann. Von ihr erschienen unter anderem Biographien Goethes und Nietzsches.

Geschichtlicher Hintergrund und Hollywood Filme
Jeder glaubt ihn zu kennen: Henry VIII. oder Henry Tudor genannt. Ein eiskalter Tyrann, der mit seinen sechs Frauen grob umging und sich zum Oberhaupt der katholischen Kirche krönen ließ. Bekannt ist er vor allem durch die vielen Frauen und die Serien und Filme, die Hollywood produziert hat. In jeder Serie und in jedem Film wird er etwas anders dargestellt. "Die Schwester der Königin" und die Serie "Die Tudors" müsste den meisten Lesern bekannt sein. Wenn nicht, dann haben Sie außer talentierte Schauspieler aus geschichtlicher Perspektive nichts verpasst. Am häufigsten verbindet man Henry VIII. wahrscheinlich mit dem englischen Abzählreim: "Geschieden, geköpft, gestorben, geschieden, geköpft, überlebt." Aber wer war Henry VIII. wirklich und konnte er alle Taten mit seinem Gewissen vereinbaren? Von seinen Ehefrauen ist Anne Boleyn die bekannteste Mätresse und spätere Königin, die er hatte. Das liegt wohl auch daran, dass sie ihm die Tochter Elizabeth schenkte, die England zum goldenen Zeitalter brachte. Mary hingegen ist als eine kalte, blutrünstige (Bloody Mary) Tochter von Henry bekannt, die sich gegen die Protestanten auflehnte und viele verbrennen ließ. Jane Seymour mag wohl die Frau sein, die Henry Tudor endlich einen Sohn schenkte. Doch sie starb und hinterließ ihren Sohn zurück. Die deutsche Anna von Kleve war bald durch ihre Hässlichkeit kein Gesprächsthema mehr. Catherine Howard war viel zu jung für Henry und mehr eine Gespielin als eine Königin von England. Mit ihr fand Henry zwar sexuelle Befriedigung, aber noch lange keine Frau für Gespräche. Somit war seine letzte Frau diejenige, die für ihn eine gute Gesprächspartnerin war. In diesem Buch wird die Biografie von Henry VIII nochmal neu erzählt und alles steht unter dem Motto: Wie ging der König mit seinem Gewissen um?

Aufmachung des Buches
Auf dem Cover ist das wohl bekannteste Bild von Heinrich VIII. Es handelt sich um ein Taschenbuch und ist trotzdem ziemlich teuer. Die Preise aus diesem Verlagshaus sind immer teuer, aber wenn es sich lohnt, dann sind diese auch den Preis wert. Das Buch hat 26 Abbildungen im Text, die sehr interessant sind, um sich ein Bild von der Person zu machen. Gegliedert ist es in Utopia (Präludium zur Biographie eines Königs), Kleine Vorgeschichte (Die Tudors), Der zweite Sohn (Henrys Jugend und die Spuren des Vaters), "Pasttime with good company..." (Die ersten Regierungsjahre), Das güldene Feld, Verteidiger des Glaubens, Das Gewissen eines Königs, Eine sonderbare Reformation, Königliches Ehekarussel (England in Isolation), Der englische Nero (Henrys letzte Jahre und sein Vermächtnis. Mit Zeittafel, Anmerkungen, Abbildungen, Literaturverzeichnis und schließlich das Personenregister.

Struktur und Sprache
Von dem Schreibstil war ich sofort angetan, denn dieser ist wirklich sehr verständlich und doch nicht zu einfach geschrieben. Es gibt durchaus Wörter, die manchen Lesern bestimmt unbekannt sind, aber das kann in jedem Buch, das historisch ist oder nur einen historischen Hintergrund hat, vorkommen. Das Buch ist teilweise etwas langatmig, aber das ist bei einer Biographie nicht anders zu erwarten. Die Inhalte sind alle sehr interessant und man spürt ständig den roten Faden. Besonders angetan war ich von dem Kapitel "Das Gewissen des Königs", da es mich sehr interessiert hat, ob es Heinrich tatsächlich kalt gelassen hat, was er mit seinen Frauen angetan hat. Sabine Appel stellt Heinrich anders dar und macht ihn sofort sympatischer. Man kann sich besser in ihn hineinversetzen und betrachtet die andere Seite von ihm. Desweiteren zeigt das Buch auch andere Personen wie Thomas More oder den frühen Luther, den ich somit auch noch besser verstehen konnte. Außerdem gefiel mir noch das Kapital "Der englische Nero". Schon vorher hatte ich davon gehört, dass zum Beispiel die Franzosen Heinrich als den englischen Nero bezeichnet haben. Durch die Zeittafel und den Anmerkungen der Autorin ist alles verständlich, auch wenn man zuvor noch nicht viel von Heinrich VIII. mitbekommen hat. Alles in allem eine Biografie, die sehr interessant ist und viele Details verrät, die man vorher nicht gewusst hatte. Denn in diesen Filmen und Serien wird sehr viel oberflächlich dargestellt und wie jedem bekannt ist, ist die Show das, was wirklich zählt. Wichtige Details und Hintergrundinformationen werden dort natürlich ausgelassen und dies alles findet sich somit in diesem Buch wieder. Ich kann das Buch allen weiterempfehlen, die mehr über Heinrich und sein Leben erfahren möchten. Zusätzlich ist dieses Buch auch für Personen geeignet, die noch nicht viel über Heinrich wissen und ihren Wissenstand erweitern wollen. Von unserer Community ist diese Biografie auf alle Fälle eine Empfehlung.

Struktur und Sprache (Stil, Lesbarkeit...) 
Aufmachung (Aussehen des Textes, Cover, Klappentext...) 
Aufbau (Spannung, Anordnung...) 
Inhalt (Thema, Szenen...) 
Sonstiges (Gesprächsthema, Gedanken...) 


Sabine Appel
Heinrich VIII.
Der König und sein Gewissen. Eine Biographie.

Das Buch bekommt 4 von 5 Sterne:

 

2012, 319 Seiten, 26 Schwarz-Weiß-Abbildungen, Taschenbuch, Deutsch, Beck, ISBN-10: 3406638562, ISBN-13: 9783406638565

Hiermit möchte ich mich recht herzlich bei C. H. Beck bedanken. Das Buch kann auf der Verlagshomepage oder bei Weltbild erworben werden.

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